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3. Bauformen II - Intraaural

Lautsprecher > Kopfhörer

Im Gegensatz zu circumauralen und supraauralen Kopfhörern (auch Muschelkopfhörer) gibt es auch eine weitere Variante von Kopfhörern - die Intraauralen Kopfhörer welche direkt im Gehörgang spielen. Diese werden zumeist bei mobilen Anwendungen eingesetzt und haben durch mobile MP3 Player eine zunehmende Verbreitung erfahren.


Intraaurale Kopfhörer - InEars vs EarBuds

Vor einigen Jahren waren EarBuds oder auch Ohrstecker der Standard unter mobilen Kopfhörern.
EarBuds sitzen meist sehr lose und haben haben keine definierte Position im Gehörgang. Der EarBud dichtet den Gehörgang nicht ab, es kommt daher nicht zu einem Druckkammereffekt. 


Drückt man den EarBud tiefer in den Gehörgang ähneln die Arbeitsbedingungen verstärkt dem Druckkammereffekt und der Bass wird definierter. Rüttelt der Hörer sich lose, ist der Bass beinahe völlig verschwunden. Um unter allen Umständen einigermaßen Musik hören zu können, wurden die Hörer meist sehr laut eingestellt. Das war nicht nur schlecht für die Trommelfelle und die Batterie in mobilen MP3-Playern, auch fühlten sich in öffentlichen Verkehrsmitteln schnell andere Teilnehmer gestört.


EarBuds sitzen lose im Gehörgang und bieten somit keine Schallisolierung. In lauten Umgebungen werden die EarBuds daher grundsätzlich auf sehr hohe Lautstärken gestellt, damit man weiterhin Musik hören kann. Auch dies kann auf Dauer das Hörvermögen belasten.


Persönlich halte ich EarBuds technisch für eine völlige Fehlentwicklung. 


Die Lösung waren InEars. Dieser Hörer hat eine weiche Silikonaufsatz welcher ähnlich einem Ohrstopfen in den vorderen Teil des Gehörganges geschoben wird. Dieser Stopfen dichtet den Hörkanal ab womit das winzige Lautsprecherchassis des InEars sofort auf ein gekapseltes Volumen arbeitet (Druckkammereffekt, ähnlich wie in einer Fahrradpumpe).


InEars haben erst recht spät flächendeckende Verwendung gefunden. Der Durchbruch war der EP630 welcher erstmals eine günstige und gute Lösung darstellte. Das Model ist bis heute erhältlich.


Gute InEars bieten einen Bass welcher mit guten Bügelkopfhörern vergleichbar ist. Bei einigen Modellen kann das bei sehr tiefen Bässen das sogar zu viel des Guten werden: Subbässe können unangenehm drücken. Entsprechende Hörer werden meist von den Herstellern als besonders bassbetont beworben. Wer bis zur Rente mit gutem Hörsinn Musik genießen möchte, sollte solche Hörer evtl. meiden.


Gute InEars nutzen den definierten Sitz im Ohr für eine neutralere Widergabe. Der Bass ist präsent und natürlich, jedoch nicht schmerzhaft und gehörschädigend. Ich kann gute InEars nur Empfehlen.


InEar Aufsätze


Die Ohrgeomtrie variert von Mensch zu Mesch, entsprechend legen die Hersteller verschiedene Aufsätze bei den InEars bei. Im Consumerbereich sind es zumeist kleine Silikonaufsätze die auf dem unten gezeigten RHA montiert sind - diese gibt es dann in einer S,M und XL Ausführung. Die Silikonaufsätze sind sehr weich und passen passen zumeist gut in die meisten Ohrgänge.




Abbildung 1: InEar Kopfhörer von RHA mit verschiedenen Aufsätzen

Das oben gezeigte Bild zeigt einen Rahmen vom Aufsätzen eines hochwertigen InEars von RHA. Hier liegen zu den Standardaufsätzen auch "Tannenbäume" (oben im Rahmen) und Schaumstommaufsätze (Schwarz) bei. 


Einige Hersteller von hochpreisigen InEars bieten auch Maßgefertigte Aufsätze an, hierzu wird vor Ort ein Abdruck des Ohrs erstellt und ein individueller Aufsatz hergestellt. Dies kostet zumeist mehrere hundert Euro. Die Aussengeräuschabschirmung bei Maßanfertigungen kann (sehr gute) 20db betragen.


Die maßgefehrtigen Adapter können auch seperat als Gehörschutz gefertigt werden. Der Einsatzzweck liegt hier z.B. bei Personen die oft mit lauten Maschinen arbeiten. Bei den Adaptern werden einigen Fällen werden auch (austauschbare) Filter in den Aufsätzen vorgesehen welche unterschiedliche Frequenzen unterschiedlich stark isolieren und z.B. Stimmen durchlassen. Entsprechende Möglichkeiten sind auch schon für maßgefertigte InEars angeboten worden. 


Die Silikonaufsätze sind übrigens einfach zu reinigen und können bei Verlust oft nachgekauft werden.


Klassicher InEars vs. InEar Monitor

Gu Bei InEars gibt es zwei Bauformen - klassische InEars und InEar Monitore (IEM). Der Standard-Massenmarkt-InEar wird direkt in die Ohren gesteckt, die Kabel laufen verlaufen wie bei klassischen EarBuds direkt nach unten. Wenn der Träger sich bewegt und das Kabel über die Bekleidung reibt, wird die Zugbelastung direkt auf den Hörer übertragen (=mechanischer Körperschalleintrag im Kabel). Dieser Vorgang ist deutlich hörbar (Knistern, Schleifen). Im Extremfall kann der Hörer aus dem Ohr gezogen werden und herausfallen.

Viele Hersteller adaptieren die InEars mit kleinen Zugentlastungen an die Kabel, auch wird oft mit glatten Kabeln gearbeitet um den Körperschalleintrag durch die Kleidung zu reduzieren. Bei einer Bewegung des Trägers in Schrittgeschwindigkeit ist der Körperschalleintrag zumeist ausreichend niedrig - es ist Musikgenuss problemlos möglich. Gerade bei modernen Musikrichtungen mit ständigen Bässen werden die Störgeräusche übertont.

Bei klassicher Musik treten sehr oft ruhige Phasen auf, hier kann der Effekt merklich stören. Gleiches gilt für Jogger: Der Körperschalleintrag wird massiv störend, für sportliche Anwendungen sind InEars nur bedingt empfehlenswert.




Abbildung 3: Klassische InEar von Philips (links) und InEar Monitor von FiiIO (rechts)


In höheren Preisklassen ist die Bauform des InEar Monitors (IEM) verbreitet. Hier wird das Kabel entsprechend des obigen Bildes über die Ohren geführt. Jeglicher Körperschalleintrag in das Kabel wird vom Ohr aufgefangen und geht nicht auf den InEar - der Störgeräuscheintrag sinkt erheblich.


Die Kabel für den linken und rechten IEM müssen bei dieser Trageform under dem Kinn verbunden. Dies verhindert, dass das Kabel über die Ohren rutscht. InEars für diese Trageform haben entstprechende Schlaufen/Clips in den Kabeln integriert. Der IEMs werden daher kabelseitig etwas "dichter" am Kopf getragen und sind daher im Tragegefühl präsenter. 


An dieser Stelle eine Warnung: Klassische InEars und IEMs sind bzgl. der Kabelführung unterschiedlich aufgebaut. Das Kabelstück welches bei IEMs hinter dem Ohr verläuft ist oft versteift, gleichzeitig müssen die Kabel links/rechts wie gerade beschrieben unter dem Kinn durch eine entsprechende Vorrichtung zusammengeführt werden. Das Kabel eines normalen InEars hinter das Ohr zu verlegen entspricht nicht dem Tragegeühl eines "nativen" IEMs.


Ich persönlich bevorzuge die Bauform des IEM gegenüber klassischen InEars. Kaufinteressenten würde ich in der Theorie empfehlen beide Varianten auszuprobieren. Aus hygienischen Gründen ist das Probetragen von InEars verständlicherweise bei vielen Händlern aber unerwünscht, damit ist das Probetragen/hören bei InEars in der Praxis schwierig.


Der Begriff des InEar Monitors beschreibt bei vielen Herstellern und dem Wortgebraucht auf dieser Seite die Kabelführung - in vielen Foren ist die Wortnutzung jedoch nicht klar oder sogar abweichend definiert.

  • InEarMonitore bezeichnen oft auch Ohrhörer für Konzertauftritte von Musikern. Zumeist trägt der Musiker einen Funkempfänger in welchem seine Stimme (oder sein Instrument) im musikalischen Gesamtpanorama der Gesamtband integriert ist. Hiermit kann er besser einschätzen wie laut/leise er singen (oder spielen) muss. Zudem ist die Lautstärke auf der Bühne meist sehr hoch, die InEars haben daher meist maßgefertige Höreinsätze welche über eine besonders starke Geräuschisolation gewärleisten. 
  • Einige Quellen bezeichnen mit InEarMonitoren generell hochwertige und klanglich sehr gute InEars. Das Wording benont hier die Neutralität und Nähe zu Studiomonitoren. Diese InEars können je nach Präferenz des Tontechnikers auf zum Abmischen von Songs genutzt werden, klassische Muschelkopfhörer sind für diesen Anwendungszweck aber weiter verbreitet. Auch Audiophile gehören hier zu den Interessenten.


HighEnd InEar Monitore


Durch die teuren und sehr kleinen Mietwohnungen in internationalän Metropolenstädten hat sich in den letzten Jahren ein hohes Interesse an kompakten und mobilen Soundlösungen entwickelt um traditionelle Stereoanlagen zu ersetzen. In diesem Kontext hat die Nachfrage nach sehr hochwertigen InEars deutlich zugelegt. Einige IEMs werden für vierstellige Europreise angeboten.




Abbildung 3: Vier-Wege-IEM von FiiO

Die Unterschiede von hochpreisigen InEars zu günstigeren "Stangenware" können wie folgt sein:
  • Der Klang ist oft besser.
  • Es liegen mehr unterschiedliche Adapter für die Ohrgänge bei.
  • Die Adapter sind bei sehr teuren Modelen oft maßgefertigt, dies wirkt sich positiv auf die Schallisolation aus.
  • Viele HighEnd IEMs sind Mehrwegelautsprecher. Der oben gezeigte FiiO InEar Monitor z.B hat vier Chassis. 
  • Die Kabel sind oft tauschbar, die Hörer können auch nach einem Kabelbruch weiter genutzt werden. Die Anschlüsse sind zunehmend genormt, der MMCX ist ein weit verbreiteter Standard.
  • Es gibt exotische Bauformen der Chassis wie z.B. winzige magnetostatische InEar Treiber, Balanced Armatures, etc. 

Eine ergänzende Anmerkung zu Mehrwege-IEMs: Viele Hersteller bieten für entsprechendes Geld technische Wunderwerke mit einer extrem komplexen schwierigen Integration der Treiber auf kleinstem Raum an. Es mag hier im Einzelfall auch sehr schöne und klanglich gute Lösungen geben.

Bei High-End Stereolautsprechernsind Mehrwegekonzepte zwingend nötig um ein (klanglich sehr wichtiges) gleichmäßiges Abstrahlverhalten zu ermöglichen. Dieser Aspekt entfällt bei IEMs da Kopfhörer grundsätzlich unabhängig von der Raumakustik spielen. Gute Breitband-Treiber können bei Kopfhörern daher auch sehr überzeugend aufspielen.

Intraaural vs. Circumaural im klanglichen Duell


Es gibt sehr gute InEars die grandios klingen. Allerdings sind IEMs im Vergleich zu ohrumschließende Kopfhörern klanglich in einer wesentlichen Hinsicht im Nachteil.


Ein bei ohrumschließender circumauraler Bauform beschallt das Lautsprecherchassis des Hörers das gesamte Ohr homogen mit Schall. Innerhalb der Ohrmusches findet ein individuelles und komplexes Muster an Schallreflexionen, Beugungen und Brechungen statt. Das Gehirn des Hörers kennt diese Ohrspezifischen Verzerrungen seit der Geburt und nutzt diese "Außenohrübertragungsfunktion" um Geräusche besser zu orten. Für ein natürliches Klangerlebnis können großflächige Treiber z.B. von Elektrostatischen Kopfhörern mit gleichmäßiger Beschallung des Gesamtohres natürlichiger Wirken. Viele Ohrumschließende Hig-End Kopfhörer haben mehrere cm. Abstand zwischen Ohr und Treiber un die Ohren gleichmäßig zu beschallen, oft sind die Chhassis sogar angewinkelt damit die Klangsignatur stärker als "von vorne kommend" emuliert wird. Hiermit wird die Im-Kopf Lokalisation der Musik abgeschwächt.


InEars sind im Gehörgang und ignorieren damit zwangsläufig das Ohr. Je nach Ohrgeometrie und InEar kann das Ergebnis (zufällig) sehr gut klingen. Muss es aber nicht.


Auf Frequenzgangs-Messungen zu achten ist bei InEars resultierend wenig zielführend. Es können höchstens vierschiedene Klangcharakteristiken von bereits bekannten InEars mit unbekannten InEars verglichen werden. Aber auch diese Vergleiche sollten mir Vorsicht erfolgen.




Abbildung 4: Equalizerfunktion durch verschiedene EarTips bei einem Fiio InEar


Um dem Problem entgegenzutreten gibt es verschiedene Ansätze. RHA bietet bei einigen InEar Spitzenmodellen verschiedene einschraubbare Filter ein mit welchen der Frequenzgang beeinflusst wird. Fiio liefert Ohrstücke mit unterschiedlichem Klangcharakter mit. Von anderen Herstellern kenne ich keine entsprechenden Kopfhörerseitigen Lösungen. Die Verwendung von Equalizern kann daher sinnig sein - auch wenn es schwierig ist seine Referenzeinstellung zu finden. 

Es ist schade, dass gerade bei InEars das Probehören so schwierig ist. Aus hygienischen Gründen sind die meisten Händler hier jedoch wenig entgegenkommend.

Das Ende der 3,5mm Klinke bei Smartphones

Lange Zeit waren bei MP3 Playern, Laptops und Smartphones 3,5mm Klinken Standard. Inzwischen haben einige Hersteller wie z.B. Apple bei der IPhone Produktserie keine Geräte mit Klinkenausgänge mehr im Angebot. Andere Hersteller wie z.B. Bleiben dagegen (bisher) der Klinke treu.

Hochwertige Kopfhörer werden zumeist nur mit Klinkenanschlüssen angeboten. Audiophile sollten daher beim Neuwerwerb eines Smartphones auf einen Klinkenanschluss bestehen. Zwar gibt es oft Adapter von USB auf Klinke, diese sind jedoch oft zu fummelig im Alltag.

Als kabelgebundene Alternative gibt es USB-C. dieser Ausgang ermöglicht die Ausgabe von Audiosignalen und bietet zusätzlich Versorgungsspannung für erweiterte Funktionalitäten wie z.B. aktive Aussengeräuschunterdrückung. Die theoretischen Möglichkeiten sind äußerst interessant, in der Praxis bietet der Markt jedoch kaum Auswahl.

Eine weitere Möglichkeit ist der Umstieg auf Kabellose Hörer.



Abbildung 4: Bluetooth Kopfhörer von RHA mit Halsreif (incl. integrierter) Batterie als Tragemöglichkeit


Theoretisch sollte eine drahtlose Übertragung ohne Qualitätseinbußen möglich sein. Immerhin ist heutzutage auch kabellosen 4K Videostreaming möglich, da sollten vergleichweise schmalbandige Audiosignale keine Probleme machen.


In der Praxis habe ich persönlich jedoch wenig positive Erfahrungen gemacht. Direktvergleiche von (ansonsten baugleichen) In Ears mit Bluetooth und Kabel sind bei mir immer deutlich zugunsten des kabelgebundenen Models ausgefallen. Die klangliche Dynamik wird bei den mir bekannten Modellen über Funk stark komprimiert. Zusätzlich kommt es immer wieder zu Funkaussetzern - besonders an stark frequentierten Orten wie Bahnhöfen oder Einkaufsmeilen wo die Funkbänder von vielen anderen Menschen mitgenutzt werden. Zusätzlich müssen sehr kleine Batterien verbaut werden was sich negativ auf die Nutzungsdauer auswirkt. 


Mit sehr hohen klanglichen Anforderungen würde ich im Moment ausschließlich InEars mit Klinkenanschluss empfehlen. Einige Hersteller wie z.B. Shure bieten inzwischen InEars an bei denen man zwischen Kabel und Bluetoothmodul wechseln kann - Und setzen seitens der InEars hier auf genormte Anschlüsse. Vorbildlich!




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