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4. Klangliche Eigenschaften

Elektronik > Verstärker

Bei Aktivlautsprechern muss ein Lautsprecher im Idealfall nur ein Chassis ansteuern. Die Impedanzenverläufe der Chassis sind meist recht gutmütig - bis auf die Resonanzfrequenz des Tieftöners. Im Falle einer gewünschten Tiefbass-Aktiventzerrung werden dazu hohe Leistungen gefordert.

Passivlautsprecher mit einem Verstärker anzutreiben ist dagegen deutlich schwiriger. Mehrwegelautsprecher mit komplexen Weichenstrukturen können erhebliche Blindleistungen fordern. Doch unabhängig von der angeschlossenen Last muss der Verstärker immer die gewünschte Spannung bereitstellen.
Der Frequenzgang muss linealglatt sein. Es dürfen keine Verzerrungen auftreten - und die Endstufe darf nicht rauschen.




Abbildung 1: Verstärker mit sichtbarem Innenleben der Firma AMAUDIO


Das die Anforderungen an die Technik hoch ist, ist unbestritten. Allerdings hat sich die Schaltungstechnik ebenso wie die Halbleitertechnik in den letzten Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt. Viele Schaltungskonzepte sind inklusive guter Erklärungen in Fachbüchern oder über google zu finden - und abgesehen von überdimensionierten Trafos, Elkos und den Gehäusen sind die meisten Bauelemente in einem Verstärker Pfennigartikel. Für die Großhersteller ist die Entwicklung eines verzerrungsarmen Verstärkers mit perfektem Frequenzgang kein Problem.

Entsprechend stark umstritten sind die klanglichen Unterschiede zwischen verschiedenen Verstärkern. Eine Gruppe von Hifi-Freunden spricht dem Verstärker eine ähnlich klangentscheidende Rolle zu wie dem Lautsprecher - und rät vor dem Kauf eines Verstärkers unbedingt zum Probehören. Die andere Gruppe hält Verstärker für klanglich so ausgereift, dass moderne Markengeräte blind gekauft werden könne, Klangunterschiede zwischen den Geräten sind ausgeschlossen

Klangliche Unterschiede bei einer derart zentralen Funktionseinheit der Anlage grundsätzlich auszuschließen erscheint auf den ersten Blick fragwürdig. Vermutlich haben die Personen, welche solche Behauptungen aufstellen, noch nie einen guten Verstärker gehört? Bei näherer Betrachtung der Thematik gibt es jedoch diverse Indizien, dass die Skeptiker Grund für Ihre Aussagen haben. Man sehe sich einfach mal die technischen Daten von durchschnittlichem Hifi Equipment an.
  
Frequenzgang von 70 bis 20.000 Hz

   CD-Player 200 Euro: +-0,01dB
   Verstärker 300 Euro: +- 0,1dB (ein Lautsprecher mit starken Impedanzschwankungen kann zu stärkeren Schwankungen führen
)
   Lautsprecher im Freifeld 1000 Euro: +-3dB
   der Lautsprecher in der Wohnung: +-15 dB

Klirrfaktor:

   CD Player: 200 Euro 0,001 Prozent
   Verstärker: 300 Euro 0,1 Prozent
   Lautsprecher 1000 Euro: meist
über 1 Prozent, gelegentlich über 10 Prozent, im Bass über 40 Prozent.
   In der Wohnung: Deutlich mehr
.

Es gibt sicherlich Geräte, deren Datenblattwerte besser oder schlechter sind als die hier genannten Beispielwerte - aber im großen und ganzen dürften die Werte repräsentativ sein. Beim Vergleichen fällt auf, dass ein guter moderner CD-Player und ein guter moderner Verstärker (was die Geräte der letzten 20 Jahre ausdrücklich mit einschließt) deutlich bessere Übertragungseigenschaften haben als Lautsprecher. Beim Vergleich der Daten mit den Werten aus der Fachliteratur fällt ebenfalls auf, dass die Nichtliniearitäten und die Unebenheiten des Frequenzgangs bei den Elektronikkomponenten unterhalb der Hörschwellen liegen.

Doch halt - das sind immerhin Laborwerte welche ohne angeschlossene Lautsprecher ermittelt wurden. Kann ein Verstärker die Versprechen aus dem Datenblatt auch halten, wenn Lautsprecher angeschlossen sind?

Abbildung 2 zeigt den Frequenzgang in Form der gemessenen Ausgangsspannung an einem Verstärker - und damit indirekt die vom Lautsprecher erzeugte Lautstärke. Bei dem Verstärker handelt es sich um einen AV-Receiver eines Markenherstellers aus der Mittelklasse. Der Lautsprecher war ein üblicher Standlautsprecher - die Lautstärke war am oberen Limit dessen, was bei einer Mietwohnung akzeptabel ist.




Abbildung 2: Mittelklasse AV-Receiver mit und ohne angeschlossene Lautsprecher


Die Schwankungen des Frequenzgangs liegen sogar im belasteten Zustand bei etwa ±0,2 dB - im klangentscheidendem Bereich zwischen 100 und 3000Hz sind die Schwankungen noch kleiner. Im Vergleich: der Lautsprecher 8260a von Genelec ist ein High-End digitalaktiver Lautsprecher der absoluten Spitzenklasse mit einem üppigen Preis und einem der linearsten Frequenzgänge auf dem Markt: laut Hersteller 29 Hz - 21 kHz bei ±1dB. Bei (guten) Passivlautstprechern sind Schwankungen um ±3db üblich - diese Werte gelten natürlich nur für schalltote Räume.

Bei passiven Einstiegslautsprecher sind die Hersteller grundsätzlich bemüht, die Kompatiblität mit den üblichen AV-Receivern sicherzustellen. Hochpreisigen Passiv-Lautsprechern wird dagegen oft ein divenhaftes Verhalten und ein stark verstärkerkritisches Verhalten nachgesagt - Allerdings werden jedoch gerade diese Lautsprecher für den Betrieb an schwachbrüstigen Röhrenverstärkern optimiert, im hohen Maße verstärkerkritische Boxen sind daher auch im High-End Bereich selten.

Selten heißt selten - und nicht, dass es kritische Lautsprecher grundsätzlich nicht gibt. Einige Mehrwegelautsprecher mit kritischen Impedanzeinbrüchen unter 1 Ohm sind in den letzten Jahren auch in Deutschland in den Handel gekommen. Extrem hohe Pegelanforderungen treiben die Anforderungen an die Verstärker ebenfalls deutlich nach oben - wobei an dieser Stelle betont werden muss, dass ein üblicher Standlautsprecher bei gehobener Zimmerlautsprecher selten mehr als ein (!) Watt Leistung benötigt. Wer keine Diven (Fehlkonstruktionen?) antreiben möchte, kann daher mit einem preiswerten Verstärker auskommen.

Blindtests

Datenblattangaben und Messschriebe zu betrachten ist eine Sache - der reale Klangeindruck ist jedoch das, was am Ende zählt. Verstärkertests sind jedoch alles andere als einfach - besonders beim Händler vor Ort. Viele Händler sind verkaufspsychologisch geschult und wollen nur das Beste des Kunden - sein Geld. Einige Händler haben ihre Präsentationstechniken derart perfektioniert, dass die dem Kunden sogar Eigenklang bei unterschiedlichen Digitalkabeln und Unterlegscheiben für den CD-Player vorführen können. Zu behauten, dass Hifi-Händler grundsätzlich Ihre Kunden über den Tisch ziehen wollen ist natürlich falsch. Gerade die kleineren Hifi-Händler haben Ihren Beruf aus Liebe zur Hifi-Technik gewählt - und geben Ihre Empfehlungen für hochpreisige Verstärker in bester Absicht. Das macht es nicht leichter, einen objektiven Eindruck zu erhalten.

Ist einer der Verstärker beim Vergleichshören geringfügig lauter eingestellt als der andere, wird dieser bei Vergleichstest üblicherweise direkt als besser bewertet. Aber welcher Händler schließt Messgeräte an, um die Verstärkerpegel abzugleichen? Ausserdem ist psychologische Faktor nicht zu vernachlässigen - ein High End Verstärker mit einem zentnerschweren Traffo wirkt auf den Hörer ganz anders als ein Plastikmodell aus der Einstiegsklasse. Die einzige Möglichkeit für eine Aussage sind Blindtests mit einem perfekten Pegelabgleich an hochwertigen Lautsprechern.

Der Hifi-Händler David Messinger aus Wien hat in den letzten Jahren einige Verstärker im Blindtest mit mehreren Testhörern gegeneinander antreten lassen. Die Ergebnisse sind ziemlich ernüchternd und lassen erhebliche Zweifel über den Eigenklang von Verstärkern aufkommen. Manch ein überzeugter Hifi Freak, der von Verstärkerklang überzeugt war, hat sich in solchen Tests aufs peinlichste blamiert. Die Ergebnisse mehrer solcher Tests wurden in dem Forum des Händlers http://www.hififorum.at/veröffentlicht.
   Direktlink zum Test vom 15.10.2006: http://www.hififorum.at/forum/showthread.php?t=688

   Direktlink zum Test vom 02.12.2007: http://www.hififorum.at/forum/showthread.php?t=2141

   Direktlink zum Test vom 05.04.2009: http://www.hififorum.at/forum/showthread.php?t=4482

Die Ergebnisse sind nicht überall auf Begeisterung gestoßen. In dem Test aus 2009 konnte ein 20€ teurer Verstärker an einem hochpreisigen Lautsprecher nicht von einem Verstärkerboliden
für 6500€ unterschieden werden. In anderen Tests konnten sich auch Hightech-Verstärker nicht gegen preiswerte Surroundreceiver durchsetzen. Klangliche Unterschiede zwischen CD-Playern dürfen auf Basis der Tests ebenfalls bezweifelt werden.


Wie auch immer man zu den Tests steht - klangentscheidend ist und bleibt das Zusammenspiel zwischen Akustik und den Lautsprechern.


Kaufempfehlung

Die Empfehlung beim Kauf eines Verstärkers dieser Webseite


  • Viele Händler haben Sonderangebote, Auslaufmodelle, Ausstellungsgeräte oder machen Paketpreise beim Kauf. Und man kann sich Verarbeitung der Gehäuse und die Bedienung direkt im Geschäft ansehen. Der Kauf beim Fachhändler kann daher sinnvoller als der Kauf im Netz sein.

  • Wer weiss was er will, kann Elektronik von renomierten Herstellern aber auch ohne schlechtes Gewissen blind im Internet kaufen - und den Fokus auf Design und Ausstattung legen. Was an Zeit und Geld gespart wurde, kann er in die Akustik und in Lautsprecher investieren. Wenn der Kauf im Internet beschlossen ist, sollte man sich jedoch nicht stundenlang im Fachgeschäft beraten lassen. Das ist schlicht und einfach Beratungsdiebstahl.

  • Generell sollte über den Erwerb von Aktivlautsprechern mit integrierten Endstufen nachgedacht werden. Die resultierenden Vorteile durch ein komplexeres Weichendesign, direktere Kontrolle der Basslautsprecher, Raumanpassung und viele andere Vorteile sprechen eindeutig für Aktivlautsprecher.

  • Ein guter Verstärker kann Jahrzehnte halten - und so billiger sein als ein günstigeres Gerät. Gerade bei Stereogeräten ist es unwarscheindlich, dass der Verstärker veraltet.

  • AV-Receiver entwickeln sich dagegen ständig weiter. Moderne Geräte Geräte können kabellos Musik von MP3-Playern und Smartphones empfangen, für Heimkinoanwendungen sollten die aktuellsten HDMI-Standards unterstützt werden. Beim Kauf eines sehr teuren AV-Receivers sollte daran gedacht werden, dass das Gerät nach einigen Jahren möglicherweise durch ein Nachfolgemodell ersetzt wird.

  • Auch wenn eine Stereoanlage geplant ist, kann der Kunde ernsthaft über den Erwerb eines Surroundverstärkers nachdenken. Zwar ist die Maximalleistung im Stereobetrieb meist geringer, für einen persönlichen Besuch eines zornigen Vermieters sollten die meisten Geräte jedoch reichen. Auf der anderen Seite bieten die meisten AV-Receiver mehr Anschlüsse, Subwoofermanagement, Raumeinmessung, einen Nacht-Modus mit Dynamikkompression zugunsten der Nachbarn - und natürlich die Möglichkeit im Laufe der Jahre doch noch auf Surround aufzurüsten.

  • Das Bauchgefühl beim Kauf sollte stimmen, mit diesem Gefühl muss man noch lange Zeit Musik hören. Ein wuchtiges Gerät aus Vollmetall kann beim Hören mehr Freude bereiten als ein Billiggerät aus Plastik. Wer ein gefühlsbetonter Mensch ist, sollte den Wunschverstärker aus dem gleichen Grund ruhig unverblindet probehören.

  • Wer wirklich laut hören möchte sollte dies ebenfalls berücksichtigen. Das Probehören sollte mit dynamischer Musik bei den gewünschten Pegeln erfolgen. Man sollte vorher ausloten, ob der Händler zu solchen Tests bereit ist. Bei Hornlautsprechern mit einem guten Wirkungsgrad können auch hier preiswertere Verstärker ausreichen. Laut Zynikern, kann man diese Hornlautsprecher auch gleich direkt an die Vorstufe hängen.

  • Röhrenverstärker können durch ihr spezielles Klirrverhalten und die verbauten Ausgangsverstärker anders klingen als Transistorgeräte. Wer den speziellen Röhrensound bevorzugt, sollte den Geräten ruhig eine Chance geben.

 
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