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5. Frequenzweichen

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Um einen Lautsprecher mit einem homogenen Übertragungsverhalten zu bauen werden üblicherweise mehrere Chassis verwendet. Die Zuteilung der jeweiligen Arbeitsbereiche erfolgt durch die Frequenzweichen.

Wie funktionieren die Schaltungen von Frequenzweichen? Wie funktionieren die Frequenzweichen bei Aktiv bzw. Passivlautsprechern? Dieser Abschnitt soll Antworten auf diese Fragen bringen.


Frequenzweichen haben zwei primäre Aufgabengebiete.

  • Filtern der Signale von zu hohen und/oder zu tiefen Frequenzen um das zuständige Chassis nur im optimalen Frequenzbereich arbeiten zu lassen

  • Korrektur der Übertragungseigenschaften der Lautsprecher, darunter fallen z.B.  Frequenzgangunebenheiten der Chassis durch Resonanzen oder schallwandbedingte Frequenzgangwelligkeiten wie der Bafflestep


Analogweichen

Die meisten Frequenzweichen arbeiten analog und basieren auf der geschickten Verschlatung von Spulen, Widerstände und Induktivitäten. Der Wechseltromwiderstand, auch bekannt als Impedanz, verhält sich bei den Bauteilen in Abhängigkeit von der Frequenz stark unterschiedlich. Der Grund hierfür ist eine unterschiedliche primäre Eigenschaft welche das Verhalten des Bauteils dominiert.

  • Die primäre Eigenschaft des Bauteil "Widerstand" ist der ohmscher Widerstand - die Impedanz ist frequenzunabhängig.

  • Bei einer Spule ist die primäre Eigenschaft die Induktivität, demzufolge steigt die Impedanz mit steigender Frequenz.

  • Bei einem Kondensator dominiert die Kapazität als dominante Eigenschaft, die Impedanz sinkt mit der der Frequenz


Oft werden die Bauelemente und die primäre Eigenschaft gleichgesetzt, ein Kondensator und eine Kapazität werden z.B. oft synonym verwendet. Reale Bauteile zeichnen sich jedoch nicht nur durch die primären Eigenschaften aus. So hat z.B. Jede Spule auch einen ohmschen Widerstand des Kupfers und die Windungen einer Spule haben zueinander eine Kapazität.

Einer ohmscher Widerstand verwandelt elektrische Leistung in thermische Leistung (=Wärme). Kapazitäten und Induktivitäten erzeugen dagegen keine Wärme, der Widerstand den diese Bauteile dem elektrischen Strom entgegenbringen (=Impedanz) verdanken Sie Ihrer Fähigkeit elektrische Energie kurzfristig zu speichern und zeitversetzt wieder abzugeben. Mehr dazu in Abschnitt
Verstärker -> Kenngrößen.

Verschaltung von Analogweichen

Nachfolgend ist eine einfache Frequenzweiche mit einer Spule gezeigt. Die Spule hat eine Impedanz welche mit wachsender Frequenz steigt.


Abbildung 1: Einfacher Tiefpass mit einer Spule


In Abbildung 1 stellt der Verstärker eine konstante Spannung bereit. Bei niedrigen Frequenzen ist die Spule kaum mehr als ein gut leitfähiges Stück Draht und elektrisch fast unsichtbar. Mit steigender Frequenz steigt die Impedanz der angeschlossenen Last durch die Spule deutlich. Gemäß dem ohmschen Gesetz




mit der Spannung U, der Impedanz Z und dem Strom I wird der Verstärker immer weniger Strom in die Schaltung schicken - und die magnetische Antriebskraft der Schwingspule wird durch die sinkenden Ströme immer kleiner.

Durch die Dimensionierung der Spule kann die Grenzfrequenz des Filters beeinflusst werden. Soll das Filter eine stärkere Flankensteilheit bekommen, müssen mehr Bauelemente verwendet werden. Ein zusätzlicher Kondensator kann im Beispiel diese Funktion erfüllen - siehe dazu Abbildung 2.

Die Spule erfüllt weiterhin die gleiche Funktion wie in Abbildung 1. Bei tiefen Frequenzen ist der Kondensator quasi eine Unterbrechung des Schaltkreises - durch die logischerweise kein Strom fließen kann.



Abbildung 2: Einfache Tiefpass mit Spule und Kondensator


Bei steigender Frequenz wird der Kondensator zunehmend leitfähig. Der Strom hat bei hohen Frequenzen somit die freie Wahl, ob er durch das Chassis oder durch den Kondensator fließt. Er nimmt den Weg des geringsten Widerstandes was bei hohen Frequenzen logischerweise der Kondensator ist, das Chassis ist somit quasi stromlos.

Die Menge an wirksamen Filterelementen (Spulen, bzw. Kondensator) gibt an, wie hoch die Flankensteilheit des Filters bei der Trennfrequenz ist - und entspricht quasi der Anzahl an Koeffizienten bei dem in Kapitel 2.4.3 ab Seite 63 vorgestellten Mittelwertfilter. Jedes der Bauteile kann bei intelligenter Verschaltung die Flankensteilheit des Filtern vergrößern, leider verursacht jedes zusätzliche Element zusätzliche Phasenfehler.

Die Anzahl der Spulen bzw. Kondensatoren wird mit der sogenannten Ordnung der Weiche beschrieben. Ist nur eine Spule verbaut spricht man von einer Weiche erster Ordnung. Diese Weiche würde das Signal bei einer Frequenzverdopplung um 6dB abschwächen.

  • Weiche 1.Ordnung: Trennung mit 6dB pro Oktave

  • Weiche 2.Ordnung: Trennung mit 12dB pro Oktave

  • Weiche 3.Ordnung: Trennung mit 18dB pro Oktave

  • Weiche ...


Weichen niedriger Ordnung haben hauptsächlich die folgenden Vorteile

  • Es werden die niedrigsten Phasenfehler verursacht, entsprechend werden die Weichen als zeitrichtig charakterisiert

  • Die flache Trennung erlaubt einfache Weichen mit einem niedrigen Durchgangswiderstand und im Fall von Passivlautsprechern einen hohen Dämpfungsfaktor, mehr dazu später.


Jedoch hat eine flach trennende Weiche auch Nachteile

  • Es kommt durch den breiten Einsatzbereich fast zwangsläufig zu Interferenzen mit anderen Chassis

  • Die thermische und mechanische Belastung der Chassis steigt was Dynamikkompressionen und verringerte Pegelfestigigkeit mit sich bringen kann


Digitalweichen

Die "Eingangsdatenverarbeitung" der Frequenzweiche kann analog oder digital erfolgen. Bei digitalen Frequenzweichen werden Mikrochips (kleine hochomptimierte Computer) verwendet, um das gewünschte Filterverhalten zu erzielen. Diese Lösung ist bei Bastlern die eigene Lautsprecher bauen besonders beliebt. Meist kann die Frequenzweiche über beiligende Software auf einem handelsüblichen PC konfiguriert werden. Mit wenigen Mausklicks wird ein beliebiges Übertragungsverhalten ermöglicht, wenn das angespaarte Taschengeld endlich für den neuen Hochtöner reicht ist die Frequenzweiche in kürzester Zeit einsatzbereit.

Eine Besonderheit von Digitalweichen besteht darin, dass der Phasengang verhältnismäßig bequem linearisiert werden kann. Ein komplex aufgebauter Mehrwegelautsprecher mit steil trennenden Frequenzweichen kann mit einem Impulsverhalten ausgestattet werden welches jeden Breitbänder in den Schatten stellt.

Durch das Übertragungsverhalten von Systemen kommt es zwangsläufig zu Phasenfehlern. Hierbei ist es egal, ob das Übertragungsverhalten durch eine Gehäuseresonanz oder die Frequenzweiche beeinflusst wird - jede (!) Beeinflussung des Amplitudennfrequenzgangs bringt zwangsläufig die zugehörigen Phasenfehler mit sich. Je steiler ein Filter trennt, desto stärker sind die Phasenfehler.

Die Phasenfehler machen sich dadurch bemerkbar, dass unterschiedliche Frequenzanteile zeitverzögert ausgegeben werden. Bei der Verwendung von Digitalweichen können die ersten Frequenzanteile zwischengespeichert und verzögert ausgegeben werden, sobald die letzten Frequenzanteile angekommen sind. Bei Echtzeitanwendungen wie z.B. dem Abmischen im Studio ist die maximal tolerierbare Verzögerung begrenzt, bei reinem Musikhören gibt es keine Probleme.

Besonders stark hörbar sind die Phasenfehler im Tiefton - hier sind die Laufzeitfehler am größten. Durch die großen Laufzeiten ist eine Phasenentzerrung jedoch mit den größten Delayzeiten verbunden, entsprechend problematisch können Echtzeitanwendungen werden. Geschlossene Basslautsprecher und flach trennende Weichen für den Tieftöner reduzieren das Problem deutlich, allerdings führt eine Phasenentzerrung unter diesen Bedingungen nur bedingt zu hörbaren Vorteilen.

In der Praxis ist es deutlich einfacher ein komplexes Filterverhalten mit einer Digitalweiche umzusetzen - besonders wenn auch der Phasengang entzerrt werden soll.


Prinzipiell kann mit einer analogen Frequenzweiche aber das gleiche Filterverhalten umgesetzt werden wie mit einer digitalen Frequenzweiche, in einigen Spezialfällen, wie z.B. bei der Meyersound HD-1, gilt das sogar für eine aktive Phasenausgleichschaltungen zur Optimierung des Phasengangs. Die Umsetzung eines komplexen Filterverhaltens geht mit einer Digitalweiche jedoch deutlich leichter, schneller und flexibler.


Abbildung 3: Digitalaktive Lautsprecher der Firma Backes und Müller


Abbildung 3 zeigt aktive Lautsprecher mit integrierten Digitalweichen der Firma Backes und Müller. Jeder der Lautsprecher verfügt über mehrere gehäuseintegrierte Endstufen, jede Endstufe steuert jeweils ein Chassis an.

Digitalweichen können nur in Aktivlautsprechern verwendet werden. Analogweichen können in aktiven und passiven Lautsprechern zum Einsatz kommen.

Aktiv und Passivlautsprecher

Aktivlautsprecher sind grundsätzlich alle Lautsprecher welche einen im Lautsprechergehäuse integrierten Verstärker besitzen - und daher einen eigenen Anschluss für die Stromversorgung bzw. Batterien brauchen. Jeder Computerlautsprecher ist ein Aktivlautsprecher.

In der professionellen Tontechnik bezieht sich der Terminus des Aktivlautsprechers jedoch auf ein aktiviertes Weichendesign. Auch wenn die Endstufen nicht im Lautsprechergehäuse untergebracht sind, kann es sich um einen Aktivlautsprecher handeln.

Bei einem aktivierten Weichendesign wird das Signal im Kleinsignalbetrieb mit extrem niedrigen Strömen und Spannungen gefiltert. Anschließend wird für jedes angeschlossene Chassis das Signal mit einer eigenen Endstufe verstärkt.

Bei einem Passivlautsprecher findet die Filterung im Großsignalbetrieb statt, die Weichen arbeiten mit den von der Endstufe verstärkten Signalen. Abbildung 1 verdeutlicht den Unterschied.


Abbildung 4: Aktives und passives Weichenkonzept


Der wesentliche Nachteil bei Aktivlautsprechern sind die Kosten. Jeden Kanal mit einer separaten Endstufe zu betreiben ist teuer.

Die Vorteile von Aktivlautsprechern sind deutlich zahlreicher.

Aktiventzerrung der Bässe

Bei sehr tiefen Frequenzen müssen sehr große Membranen eingesetzt werden, damit der Schall mit einer ausreichenden Lautstärke reproduziert werden kann. Unterhalb einer bestimmten von Lautsprechervolumen und Chassis abhänigen Grenzfrequenz werden die Bässe immer leiser.

Bei Passivlautsprechern muss man mit diesem Kompromiss leben. Durch einen resonanten Schwingkreis wäre es prinzipiell möglich, bei bestimmten Frequenzen mehr Leistung aus dem Verstärker zu ziehen und das "Leiser-werden" des Chassis durch mehr zugeführte Leistung aufzufangen. Praktisch ist der Einsatz von Schwingkreisen jedoch extrem schwierig. Die Belastung für den Verstärker ist extrem hoch, das System kann anfangen zu schwingen, das Impulsverhalten wird absolut miserabel,... eine praktische Umsetzung einer Tiefbassentzerrung mit Passivlautsprechern ist somit quasi unmöglich.

Bei Aktivlautsprechern ist die Tiefbassentzerrung ein Kinderspiel. Die Frequenzweiche welche vor (!) der Endstufe arbeitet lässt die fehlenden Bassanteile bevorzugt durch und kompensiert die Schwächen des Lautsprechers mit mehr Leistung. Aktiventzerrte Lautsprecher benötigen thermisch und mechanisch hochbelastbare Chassis und leistungsfähige Endstufen damit die Aktiventzerrung nicht zur Rauchbildung führt. Die deutlich bessere Tiefbassfähigkeit bei Aktivsubwoofern im Vergleich zu Passivlautsprechern kommt entsteht in erster Linie durch die Aktiventzerrung.


Abbildung 5: Prinzipielle Darstellung der Aktiventzerrung


Dämpfungsfaktor

Eine gute Verstärkerendstufe hat einen Innenwiderstand von etwa Null Ohm. Die Vorteile des geringen Innenwiderstands ist vereinfacht ausgedrückt eine direkte Kontrolle der Lautsprecherchassis.

Bei den von einem Lautsprecherchassis vollführten Hubbewegungen gibt es unterschiedliche gegeneinander wirkende Kräfte.

  • Die erste Kraft wird durch den Verstärker ausgeübt. Dieser treibt über die bestromten Schwingspulen im Magnetfeld der Permanentmagnete die beweglichen Teile des Chassis im Takt des Musiksignals.

  • Die zweite Kraft basiert auf der Masseträgheit der bewegten Chassiselemente. Eine bewegte Masse möchte Ihre Bewegung beibehalten - egal ob das Musiksignal eine andere Richtung möchte oder nicht.


Aktivlautsprecher haben bei der Unterdrück der zweiten unerwünschten zweiten Kraftvariante konstruktive Vorteile. Würde die Membran bedingt durch die eigene Masseträgheit weiterbewegen würde sie eine Spannung in die Schwingspule induzieren - analog zu einem Linearmotor.

Welche Spannung an der Schwingspule anliegt wird jedoch nicht demokratisch entschieden. Bei einem Aktivlautsprecher ist die Schwingspule direkt mit der Leistungsendstufe verbunden - und die Endstufe wirft ihr gesamtes Kampfgewicht bestehend aus den Leistungsreserven des deutschen Stromnetzes und einer gegengekoppelten Schaltungsarchitektur beim Ringen um die Chassiskontrolle mit in die Wagschale. Die induzierte Spannung des Chassis wird von der Endstufe wirkungsvoll unterdrückt (im Fachjargon kurzgeschlossen). Am Ende wird genau die Spannung anliegen welche die Endstufe vorgibt. Resultierend werden unerwünschte Chassisbewegungen verhindert.

Passivlautsprecher haben Frequenzweichen zwischen den Leistungsendstufen und den Chassis. Die Kontrolle über die Lautsprecherchassis erfolgt seitens des Verstärkers somit nur noch indirekt. Die induzierten Spannungen durch die Taumelbewegungen der Chassis können sich mehr oder weniger ungestört irgendwo in der Frequenzweiche aufbauen, resultierend hat die Endstufe nur noch begrenzte Handhabe beim Unterdrücken der Überschwinger.


Hörbar wird der Effekt besonders in den Frequenzbereichen in denen die Bewegungen des Chassis am heftigsten sind - bei den tieferen Frequenzen. Passivlautsprecher neigen konstruktiv bedingt eher zu einem unsauberen und dröhnenden Bass, bei guten Aktivlautsprechern wirken die Trommeln oft knackiger.

Der Widerstand zwischen Verstärker und Chassis wird durch den Widerstand der dazwischenliegenden elektrischen Übertragungsglieder bestimmt. Folgende drei Widerstände werden meist zusammengefasst und behindern die Durchsetzungsfähigkeit des Verstärkers

  • Der Innenwiderstand des Verstärkers

  • Der Durchgangswiderstand der Frequenzweiche

  • Der Widerstand der Kabel


Obwohl der Endstufenstrom sich bei Passivlautsprecher durch den dünnen aufgerollten Kupferdraht einer Frequenzweichenspule bewegen muss, hält sich hartnäckig der Glaube, dass bei echten High-End Anlagen armdicke Stromkabel zum Anschluss der Lautsprecher verwendet werden müssen. Immerhin muss der Widerstand zwischen Lautsprecher und Endstufe zugunsten eines besseren Dämpfungsfaktor möglichst klein sein.

Der Widerstand üblicher Weichen ist sogar bei sehr einfachem Filterdesign deutlich höher als der Widerstand der Verkablung.



Abbildung 5: Verkabelung einer Stereoanlage - Muss das so sein?


Oben sieht man die hochpreisige Verkabelung einer Stereoanlage. Die Neupreis der Verkabelung dürfte den Gegenwert eines Gebrauchtwagens aufweisen - der technische Sinn einer derart hochpreisigen Verkabelung ist unter Fachleuten umstritten. Immerhin sind die Leitungsquerschnitte in den Verstärkern oder in den Spulen auf den Frequenzweichen deutlich dünner als handelsübliche Lautsprecherkabel.

Eine sinnvolle Lösung der Dämpfungsproblematik ist die Verwendung von Aktivlautsprechern. Damit wird man nicht nur lange Kabel zwischen Endstufe und Lautsprecher los - sondern auch die sehr viel störenderen Frequenzweichen.


Reglung


In der Vergangenheit wurden einige Aktivlautsprecher mit geregelten Chassis produziert. Durch einen optische Sensorik oder eine zusätzliche Schwingspule, die gemäß ihrer Bewegung Spannungen in eine Signalauswertungsschaltung induziert, wird das aktuelle Schwingen ausgezeichnet und im Fall von Überschwingern korrigiert. Durch entsprechende Reglungsstrukturen wurden bereits Lautsprecher mit einem negativen Innenwiderstand produziert.

Der Sinn der Regelung ist bei Lautsprechern umstritten. Prinzipiell kann man das gewünschte Übertragungsveralten auch durch Steuerung durch die Frequenzweiche ohne Reglung erzielen - gerade Frequenzweichen auf DSP-Basis sind sehr flexibel und mächtig.

Durch die Regelung können bei richtiger Auslegung zusätzlich nichtlineare Verzerrungen durch Membranübschwinger unterdrückt werden. Es gibt aber auch gute verzerrungsarme Lautsprecher ohne Regelung.

Es spricht abgesehen von der finanziellen Sicht zumindest nichts gegen den Einsatz von geregelten Lautsprechern, allerdings sollte die Umsetzung des Komplettlautsprechers betrachtet werden.


Komplexere Frequenzweichen


Bei Aktivlautsprechern ist die komplexe Impedanz des Lautsprecherchassis kein Bestandteil der Frequenzweiche. Es können belieb komplexe Schaltungen für ein beliebig perfektes Filterverhalten umgesetzt werden - ohne dass der Dämpfungsfaktor leidet.

Bei Passivlautsprechern gibt es zwangsläufig einer Interaktion zwischen der Impedanz des Lautsprecherchassis un der Frequenzweiche welche das Filterverhalten verändert - und das Impulsverhalten verschlechtert.

Die Ströme und Spannungen in den Aktivweichen werden nicht direkt zur Ansteuerung der Lautsprecher verwendet werden sondern erst durch eine Endstufe verstärkt. Entsprechend sind die Ströme und Spannungen in der Frequenzweiche minimal - die Spulen und Kondensatoren sind winzige und preiswerte Präzisionsbauelemente. Auch die Verwendung von Operationsverstärkern um z.B. Filterelemente voneinander zu entkoppelt ist möglich, der Aufbau der Weichen wird deutlich einfacher.

Bei Passivlautsprechern sind die Bauteile direkt zwischen Leistungsverstärker und Chassis - entsprechend belastbar (groß und teuer) müssen diese sein. Werden die Bauteile im Betrieb zu warm, kann es zu Dynamikompressionen kommen.

Jedes Bauteil versursacht auf Basis der größeren Ströme ohmsche Verluste - was natürlich besonders für Widerstände gilt. Werden verschiedene Chassis mit unterschiedlichem Wirkungsgrad verbaut, müssen die lauteren Chassis für ein harmonisches Klangbild mit Widerständen ausgebremst werden. Die überflüssige Leistung wird in Wärme umgewandelt - und der Wirkungsgrad sinkt. Bei Aktivlautsprechern geschieht diese Lautstärkeanpassung leistungslos.

3 Wege vs. 2,5 Wegen

Dreiwegeboxen haben durch die gezielte Verwendung von drei Treibern diverse Vorteile gegenüber Zweiwegeboxen. Es können deutlich besser auf ihren Frequenzbereich optimierte Chassis verwendet werden als bei Zweiwegelautsprechern - was bei guter konstruktiver Umsetzung deutliche Vorteile bei der Pegelfestigkeit oder beim Abstrahlverhalten mit sich bringen kann.

Bei Passivlautsprechern stößt der Entwickler jedoch auf erhebliche Probleme durch die Interaktion zwischen Treibern und den Passivweichen. Die Treiber haben keinen konstanten Widerstand sondern sind eine stark komplexe frequenzabhängige Last. Bei einem Aktivlautsprecher, wo die Chassis direkt der Kontrolle der Verstärkerendstufe unterworfen ist, ist dieses Verhalten kein Problem.

Bei Passivlautsprechern kann eine Interaktion zwischen der Frequenzweiche und der komplexen Last des Chassis leider nicht verhindert werden. Hoch- und Tiefpässe mit einem guten Impulsverhalten  für eine 2 Wege Box zu entwerfen ist erheblich einfacher als einen kompletten Bandpass für den Mitteltöner zu konzipieren, dessen Interaktion mit der Frequenzweiche aus Entwicklersicht starke Parallelitäten mit Glücksspiel hat.
Viele Hersteller bieten aus diesem Grund passiv verstärkt 2,5-Wege Lautsprecher an. Diese Lautsprecher besitzen

  • einen Hochtöner

  • einen Tiefmitteltöner welcher den Bass mit übernimmt.

  • einen reinen Tieftöner der im Tiefton parallel zum Tiefmitteltöner spielt.


Es sind für diesen Aufbau keine Bandpässe nötig - und die Konstruktion verfügt zumindest in Teilen über die Vorteile von echten Dreiwegelautsprechern. Einige Konstrukteure sprechen bei 2,5 Wegelautsprechern auch von 2-Wegelautsprechern mit integriertem Subwoofer. Bei Aktivlautsprechern ist das "verheiraten" von drei Wegen ein Kinderspiel. Aktive 2,5 Wege Konzepte sind selten.

Schutzschaltungen

Die Hersteller von Lautsprechern können durch entsprechende Messungen oder Temperaturfühler an kritischen Stellen schnell und genau feststellen, wie belastbar die Lautsprecher bei hohen Pegeln sind. Bei Passivlautsprechern können sie den Kunden eine Warnung in die Gebrauchsanweisung mit auf den Weg geben. Bei Aktivlautsprechern können Schutzschaltungen verbaut werden. So gerüstete Aktivlautsprecher sind quasi unzerstörbar.

Bei Passivlautsprechern werden nur sehr selten Schutzschaltungen verbaut.



Abbildung 6: Lautsprecher der Firma Nubert

In Abbildung 3 werden Lautsprecher der Firma Nubert gezeigt. Nubert ist einer der wenigen Hersteller der Passivlautsprecher mit Überlastungsschutz und rudimentären Anpassungen für die Raumakustik liefert.

Bei einigen Stereoverstärkern kann ein Equalizer zwischen Vor- und Endstufe eingeschliffen werden. Durch die entsprechend feinen Korrekturmöglichkeiten um z.B. Akustikprobleme abzuschwächen können aus Passivlautsprechern eine Art von Semiaktivlautsprechern erzeugt werden.


Digitale Ansteuerung

Die Verbindung von Quellgerät zu Aktivlautsprechern ist von der Leistungsversorgung der Lautsprecher entkoppelt und kann digital erfolgen. Dies ermöglicht die Verwendung von digitalen Fehlerkorrekturmechanismen welche das gesendete Signal zu 100% regenerieren können. Elektromagnetische Störeinkopplung in die Versorgungskabel ist auch bei hohen Leitungslängen kein Problem.

Auch eine kabellose Signalübertragung, beispielsweise über das konventionelle WLAN, ist möglich. Es sind hierzu auch Aufrüstlösungen erhältlich. Kabelverbindungen für die Leistungsversorgung werden jedoch weiterhin benötigt.

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