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9. Fazit: Beurteilung

Lautsprecher > Hifi-Lautsprecher

Pauschalaussagen zu Lautsprechern zu treffen ist immer schwierig - erst recht, weil die wenigsten Hersteller vollständige Messungen veröffentlichen. Einem Laien kann nur immer wieder mit Nachdruck ans Herz gelegt werden, sich unterschiedliche Lautsprecherkonzepte anzuhören und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Dennoch will ich den Schritt wagen und Charakteristika von unterschiedlichen Lautsprechern vorstellen und eine vorsichtige Bewertung abzugeben.

Der vorliegende Abschnitt ist nur mit Zögern entstanden - und sollte mit Vorsicht betrachtet werden. Viele Hersteller von Hifi-Lautsprechern konstruieren Lautsprecher mit einem gewollt verfärben Diffusfeldfrequenzgang, teilweise auch mit einem (gewollt) verfärbten Freifeldfrequenzgang. Die nachfolgenden Zeilen beziehen sich ausschließlich (!) auf neutral abgestimmte Lautsprecher im Sinne von niedrigen Verzerrungen und einer stetigen möglichst frequenzunabhängiger Schallabstrahlung - desweiteren soll davon ausgegangen werden, dass die Lautsprecher im Stereodreieck betrieben werden.

Für Musiker die auf den Lautsprechern Musik abmischen wollen sind verfärbungsfreie Lautsprecher mit einer authentischen Bühnenabbildung wichtig. Und viele Hifiasten finden solche Systeme bei längeren Vergleichen ebenfalls überzeugend. Aber das gilt nicht für Alle! Einige Hifiasten benutzen privat sehr gezielt Lautsprecher die einen starken Eigenklang haben - wandnah aufgestellte Rundstrahler die gezielt die Räumlichkeit des Hörraums mit in das Klangerlebnis integrieren, Lautsprecher mit "Badewannenfreuquenzgang" welche die Höhen und Bässe leicht betonen, Lautsprecher mit Sprungstellen in der Abstrahlung die über gezielte Anregung der blauertschen Bänder eine deutlich stabilere und prägnantere (wenn auch künstliche) Bühnendarstellung ermöglichen.

Als Privatanwender ist man keiner Norm und keinem Neutralitätsideal etwas schuldig. Wer seinen eigenen Sound für sich gefunden hat, und sei es ein stark verfärbender Breitbänder mit Röhrenverstärker, dem sei der resultierende Spaß an der Musik gegönnt. Es spricht auch absolut nichts dagegen, mit einem Equalizer ein wenig nachzuhelfen. Aber wenn man verstanden hat, wie der individuelle Lieblingssound entsteht, kann man diesen meist preiswerter und mit weniger Fehlkäufen realisieren als mit Try und Error.

Die nachfolgenden Zeilen schreibe ich aus Sicht eines Menschen, der ein neutrales Klangbild bevorzugt. Neutral heißt aber nicht langweilig - viele Musikstücke werden von Tontechnikern mit Equalizern und Effektgeräten für den perfekten Sound nachbearbeitet, so dass die Musik auf den meist recht neutralen Lautsprechern der Tonstudios dem künstlerischen Zielen der Musiker am besten entspricht. Seidige Höhen und tiefe Bässe sind anschließend ein Teil der Aufnahme - ebenso wie dreckige Gitarrenriffs oder grandiose Frauenstimmen.

Satellitensysteme



Abbildung 1: Satellitensystem


Sattelitensysteme geben den Mittel/Hochton mit Faustgroßen Kleinstlautsprechern wieder - Der Bass ist nicht ortbar und wird von einem beliebig aufstellbaren Subwoofer reproduziert. Meist werden die Systeme als komplette Sorroundanlagen angeboten.

Die als "Brüllwürfel" verschmäten Systeme klingen inzwischen erstaunlich erwachsen. Einige Systeme haben integrierte Verstärker, meist im Subwoofer integriert, und können direkt an einen PC oder einen BluRay Player angeschlossen werden. Für weniger als 200 Euro lassen sich inzwischen Systeme erwerben, welche bei Computerspielen oder Heimkinoanwendungen ordentlichen Surroundsound liefern. Wer ein preiswertes Einstiegssystem oder eine Zweitanlage fürs Arbeitszimmer sucht, kann viel Freude mit einer solchen Anlage haben.

Wer primär Musik hört und sowohl Platz und Geld hat, sollte jedoch lieber zu etwas größeren Systemen greifen. Der klangliche Unterschied ist auch für nicht-Audiophile hörbar.

Der Grund hierfür:
Gerade bei kleinst-Satelliten fehlt der Mittelton mangels nötigem Gehäusevolumen komplett. Wird der untere Mittelton vom Subwoofer wiedergegeben, wird er deutlich ortbar und drängt sich förmlich ins Klangbild. Zusätzlich strahlen die kleinen Boxen physikbedingt breit ab und regen die Raumakustik maximal an. Mangels Membranfläche und resultierend schlechtem Wirkungsgrad fangen die Treiber schnell an zu komprimieren und teilweise sogar zu verzerren.

Die übliche Hifi-Regalbox


Abbildung 2: Regalbox


Deutlich besser machen es Kompaktboxen. Aktivboxen mit integrierter Lautstärkereglung lassen sich direkt am PC bzw. an einem BluRay Player betreiben - bei Aktivboxen ohne Lautstärkereglung ist eine Vorstufe empfehlenswert. Ansonsten gibt es die klassische Variante mit Vollverstärker und Passivboxen.

Die Zielgruppe von hochwertigen Regalboxen (oder größer) ist meist deutlich anspruchsvoller als die Zielgruppe für Satellitensysteme, daher sind Sprache und Wortwahl nachfolgend deutlich kritischer. Dennoch soll an dieser Stelle klargemacht werden, dass bereits in moderaten Preisklassen sehr gute Kompaktboxen erhältlich sind welche bei guter Aufstellung ein sehr ordentliches Klangbild liefern. Wenn Platz und Budget begrenzt sind, kann eine klassische Regalbox eine gute Lösung sein.

Die übliche Regalbox ist 20-30cm breit und besitzt einen Kalottenhochtöner und einen Konuslautsprecher von 10-20cm Durchmesser. Der Lautsprecher strahlt durch die schmale Schallwand den Grunton kugelförmig ab, oberhalb des sogenannten Bafflesteps wird der Lautsprecher zum Halbraumstrahler - bei noch höheren Frequenzen steigt die Bündelung nochmals stärker. Klassische Regallautsprecher werden meist mit dem Ziel einer möglichst breiten Abstrahlung entwicklent: es sollen mehrere nebeninanderliegene Sitzpläte homogen beschallt werden können. Der Tiefbass ist durch das fehlende Volumen begrenzt.

Leider regt das breite Rundstrahlverhalten den Raum stark an - bei wandnaher Aufstellung können die direkten Reflexionen vom Ohr nicht vom Direktschall der Lautsprecher unterschieden werden, daher entwickelt die Kombination aus Raum und Lautsprecher eine eigene Bühnendarstellung.

Einige Pop-Aufnahmen werden teilweise gezielt in schalltoten Räumen aufgenommen. Jetzt kann die Bühnendarstellung durch die Mischung aus Boxen und Akustik eine Klangbühne erschaffen, welche dem Raumeindruck des Hörraums entspricht. Andere Aufnahmen werden gezielt in Garagen, Gewächshäusern oder Konzerthallen aufgenommen um einen speziellen Sound zu generieren: Hier geht ein wichtiger Teil der Aufnahme verloren. Wer nur die Orginalaufnahme hören möchte, kann seine Lautsprecher mal im Freien (z.B. im Garten) aufstellen. Viele Hifiasten sind überrascht über den klanglichen Unterschied.

Falls möglich, sollten rundstrahlende Lautsprecher mindestens einen Meter von allen Seitenwänden entfernt aufgestellt werden - damit das menschliche Ohr eine Chance hat, Direktschall und Reflexionen zu trennen. Daher eignen sich Kleinstlautsprecher ironischerweise (abgesehen von der Pegelfestigkeit) eher für große Räume. Kleine Regalboxen sollten besser in gedämmten Räumen aufgestellt werden und profitieren am meisten von Akustikmaßnahmen um Early Reflections abzumildern.


Die übliche 2,5-Wege Hifi Standbox


Abbildung 3: 2,5 Wege Lautsprecher


Bei Kompaktboxen fehlt meist die Membranfläche für tiefe Bässe - daher wird ein zusätzlicher Tieftöner parallel zum Tiefmitteltöner geschaltet. Bis auf den besseren Tiefton kann der 2,5-Weger wie eine übliche 2-Wege Konstruktion eingeordnet werden - inklusive des breiten Rundstrahlverhaltens mit entsprechenden Problemen mit Kurzzeitreflexionen.


Die übliche 3-Wege Hifi Standbox


Abbildung 4: 3 Wege Lautsprecher


Ein namhafter und technisch versierter Lautsprecherhersteller hat sich in seinem eigenen Forum vor einigen Jahren über 3-Wege Lautsprecher ausgelassen. Laut ihm gibt es bei Passivlautsprechern keinen Grund auf 3-Wege Konstruktionen zu setzen. Es gibt laut seinen Äußerungen keine Vorteile welche die komplexeren Weichenstrukturen mit entsprechend verschlechtertem Impulsverhalten von 3-Wegern gegenüber 2,5 Wegern gerechtfertigen. Die Erläuterungen waren stichhaltig und nachvollziehbar - interessanterweise bietet der Hersteller seine Spitzenmodelle inzwischen mit drei Wegen an.

Äußerlich lassen sich 3-Weger und 2,5 Weger in den klassischen Elektrogroßmärkten selten direkt unterscheiden.

Der Vorteil von 3-Wegern liegt darin, dass drei unterschiedlich große Treiber mit optimaler Anpassung auf die unterschiedlichen Wellenlängen im Tief/Mittel/Hochton zum Einsatz kommen können. Durch die schlanken Lautsprecherfronten optisch wohnzimmertauglicher Lautsprecher ist es jedoch für den Hersteller nicht möglich, echte Tieftöner von 40cm oder mehr zu verbauen. Die meisten Hifilautsprecher haben Tieftöner die bezüglich des Durchmessers eher als große Mitteltöner durchgehen.

Die Entlastung des Mitteltöners vom Tiefbass bleibt daher der einzige echte Vorteil bei 3-Wegern. Durch die (Tief-)Bassentlastung der Mitteltöner sind auch andere Mitteltonsysteme als die hubstarken Konuslautsprecher möglich: zum Beispiel Kalotten und Bändchen.

Einige Hersteller platzieren große Tieftöner seitlich an den Gehäusen. Das ermöglicht modisch-schlanke Gehäusefronten und gleichzeitig große Bässe. Durch die seitliche Anbringung lässt sich ein großer Vorteil, die Bündelung im Grundton, nicht nutzen. Wozu sollte man einen seitlich abstrahlenden Grundton wollen? Bei sehr tiefen Frequenzen strahlt der Lautsprecher dagegen kugelförmig, da ist die Position des Basschassis egal.

Um die Basschassis nur im rundstrahlenden Bereich zu betreiben werden die Bässe meist unterhalb von 150Hz abgetrennt. Entsprechend sind die Chassis eher als seperate Subwoofer zu verstehen. Die Tiefbassunterstützung der großen Bässe und die Entlastung des Tiefmitteltöners kann den Maximalpegel des Lautsprechers deutlich steigern. Das stark ausgeprägte Rundstrahlverhalten bei tiefen und mittleren Frequenzen ist dank der besonders schlanken Gehäusefronten teilweise noch stärker ausgeprägt als bei bei klassischen 3-Wegern: Entsprechend oft werden d
'Appolito Anordnungen für die Mitteltöner und Schallführungen für die Hochtöner gewählt um die Bündelung zu verstärken. Je nach Lautsprecher kann das den Anschein von halbherziger Schadensminimierung erwecken.


Der Mini-Fernfeldlautsprecher


Abbildung 5: Mini-Fernfelder


Bei kleinen Studiomonitoren finden sich oft Schallfündungen für die Hochtöner um trotz hoher Trennfrequenz für den Tiefmitteltöner ein stetiges Bündelungsmaß zu erzielen. Diese Monitore haben bei üblicher Wohnzimmerakustik eine schärfere Bühnenabbildung im Mittel/Hochton. Durch die kleine Schallwand und die kleinen Tieftöner kann im Grundton keine Bündelung erzielt werden - Der Lautsprecher strahlt unten rund und oben stark gebündelt, der Diffusschall und damit der Klangeindruck ist zwangsläufig dunkel verfärbt. Zur Beschallung weit auseinanderliegender Hörplätze ist dieser Lautsprecher nur bedingt geeignet. Für die Beschallung von einzelnen Hörplätzen ist ein solcher Lautsprecher jedoch eine Überlegung wert, immerhin wird man durch die stärkere Hochtonbündelung unabhängiger von der Akustik.

Schallführungen sind nicht die einzigen Möglichkeiten für einen "Mini-Fernfeldlautsprecher": Großflächige Bändchenhochtöner weisen durch die große Fläche eine stärkere Bündelung als kleine Kalotten. Oft werden die Bändchen mit Waveguides kombiniert und punkten durch den stark richtenden Hochton durch eine transpararente und scharfe Bühnendarstellung. Auch Koaxialchassis, bei denen der Tieftöner de facto als Waveguide dient, finden Verwendung.

Bei professionellen Klein-Monitoren sind zumeist stark richtende Mittelhochtoneinheiten verbaut. Entsprechende Lautsprecher gibt es natürlich auch für den Hifi-Markt.


Der große Fernfeldlautsprecher



Abbildung 6: Vollwertige Fernfeldlautsprecher

Die klassischen Hifi-Lautsprecher von Braun und Grundig aus den vergangenen Jahrzehnten waren oft große 3-Weger. Leider sind derart große Lautsprecher aus optischen Gründen heute im Privatmarkt unverkäuflich - Leider. Eine kompromisslose Umsetzung ist nachfolgend von der Firma Genelec gezeigt.


Abbildung 6: Fernfeldlautsprecher der Firma Genelec


Der Grundton wird durch die große Schallwandbreite und die großen Tieftöner gebündelt - dementsprechend können auch stärker bündelnde Hochtoneinheiten verwendet werden ohne das der Diffusschallfrequenzgang der Lautsprecher verfärbt. Werden alle Chassis bis in die Eigenbündelung getrieben um ein durchschnittlich hohes und wohzimmergerechtes Bündelungsmaß zu erhalten, muss das Abstrahlverhalten an den Trennfrequenzen verstetigt werden. Übliche Lösungswege sind Koaxialchassis oder Waveguides.

Die großvolumigen Gehäuse und die großen Basschassis ermöglichen zudem tiefe Bässe bei hohen Pegeln. Die Pegelfestigkeit der Hoch/Mitteltöner durch die hohe Trennung steigt ebenfalls deutlich.

Der Mitteltöner arbeitet bei solchen Anordnungen üblicherweise zwischen ca 600 und 3000Hz - und ist aus hörpsychologischer Sicht de facto ein Breitbänder: Immerhin deckt er alleine den Frequenzbereich ab, in dem das Ohr am empfindlichsten ist. Wiedergabefehler im Bereich der Trennfrequenzen werden in unwichtigere Frequenzbereiche Verschoben.

Durch die geringe Anregung der Kurzzeitreflektionen kann ein solcher Lautsprecher vergleichsweise gut in Wandnähe aufgestellt werden - und eignet sich ironischerweise trotz der großen Abmessungen perfekt für kleine Räume in denen eine freie Aufstellung nicht möglich ist. Allenfalls große Abstände zwischen den Chassis können bei sehr kurzen Hörabständen das Klangbild zu stark "zerfallen" lassen.

Beispiele für unterschiedliche Konzepte

Nachfolgend werden zwei Lautsprecher gezeigt welche als neutrale Lautsprecherkonzepte konzipiert wurden.


Abbildung 7: Große (oben) und kleine (unten) Fernfeldlautsprecher


Beide Lautsprecher weisen eine gewisse Bündelung auf. Der obere Lautsprecher hat ähnliche Abmessungen wie ein guter Backofen - und verfügt über einen entsprechenden Tieftöner, die Bündelung setzt bereits sehr früh ein. Der untere Lautsprecher ist deutlich kleiner und kann problemlos auf einem Schreibtisch plaziert werden - ohne dass die Tischplatte durchbricht.

Bei dem unteren Lautsprecher wird auf eine äußerst starke Bündelung im Hochton gesetzt um die Fernfeldeigenschaften zu verbessern. Der deutlich größere Lautsprecher strahlt insgesamt deutlich breiter, dafür aber entsprechend gleichmäßig.

 
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